Montag, 9. Mai 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (90): Wann ist eine Therapie effizient?

Jeder therapeutische Prozess, jeder Transformationsprozess, der die Seele des Menschen einschließt, zeigt sich uneindeutig, ambivalent. Er verweist auf Ambivalenzen in der Psyche des  Klienten.

Da ist einerseits sein Wunsch nach Veränderung, nach Wachstum, nach Heilung, nach Überwindung seiner Probleme und Symptome. Andererseits gibt es aber auch in unterschiedlicher Intensität Widerstände gegen den Verlust des „neurotischen Gleichgewichts“. Diese Widerstände zeigen sich in charaktertypischen Abwehrmechanismen, negativen Einstellungen und Urteilen, Ängsten, Misstrauen usw., die bis zum Abbruch des Prozesses reichen können.

Der Wunsch nach Veränderung bedarf der Wertschätzung des Therapeuten und seiner Methode, die Abwehr von Veränderung befleißigt sich der Abwertung derselben. In der psychotherapeutischen Terminologie fasst man diesen Ambivalenzkonflikt als (positive und negative) Übertragungen zusammen. Übertragungen sind in höchstem Maße dynamische Wirkkräfte, die den Veränderungsprozess in seinen verschiedenen Phasen beeinflussen. Dies war die revolutionäre Entdeckung Freuds und seiner Psychoanalyse.

Naheliegend stellt sich die Frage danach, welches die entsprechenden dynamischen Wirkkräfte aufseiten des Therapeuten sein könnten? Wodurch wirkt ein Therapeut auf den Prozess ein, welche seiner persönlichen und professionellen Eigenschaften und Fähigkeiten haben eine Wirkung auf die Effizienz, das Ergebnis eines Therapie- bzw. Transformationsprozesses?

Was einen klinisch orientierten psychotherapeutischen Prozess angeht, so fällt die Antwort darauf leicht: Wenn das Symptom verschwunden ist, dann hat die Therapie erfolgreich gearbeitet.

Bei transformatorischen Ansätzen, also Methoden, die sich nicht am Symptom, sondern am Wachstum der Persönlichkeit in der Tradition der Humanistischen Psychologie definieren, fällt eine Aussage schwerer: Hier dürfte der Prozess dann effizient zu nennen sein, wenn das im Arbeitsbündnis zugrunde gelegte Ziel verwirklicht wurde – wobei ein solches Ziel im Laufe des Prozesses durchaus veränderten Definitionen ausgesetzt sein kann.

(Fortsetzung folgt)