Sonntag, 17. Juli 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (100): Eins mit dem Sein und bioenergetische Wahrheit



Wenn allerdings solche Verschmelzungserfahrungen, die hingebungsvolle Verbindung mit der Körperseele eines anderen Menschen, in diesem Fall mit der Mutter, immer wieder abrupt unterbrochen werden, dann speichert sich dies als Zellerinnerung in der Körperseele des Babys ab und schränkt die ursprüngliche Hingabefähigkeit mehr und mehr ein. Die Körperseele des Babys fühlt sich in seiner Hingabe unzureichend gehalten, mehr und mehr haltlos.
Genau diese Erfahrung ist es, was dann die Fallangst auslöst: das Defizit an Halt, an Sicherheit, an Geborgenheit. An die Stelle der körperlich-seelischen, also ganzheitlichen Hingabe, tritt Fallangst, die energetische Urangst, die in den Zellen verankerte Alarmierung, welche sich mit dem Gefühl des Hingabeimpulses verbindet.
Wenn in dieser frühen Prägungsphase des Menschenkindes, in der Strukturlosigkeit, Weichheit und damit verbunden die noch vollständig ausgeprägte Hingabefähigkeit vorherrschen, diese Natur keine Resonanz und keinen angemessenen Halt findet, beginnt die Körperseele den Halt in sich selbst zu bilden, energetisch, physiologisch, seelisch. Die bio-emotionale Panzerung des Systems Mensch ist geboren.
Lassen Sie uns ein wenig näher betrachten, was genau hier passiert.
Ein Baby befindet sich in seinen ersten Lebensmonaten in einem Zustand des „No-Mind“, gehirnphysiologisch dominieren die Alpha-Wellen und der Parasympathikus. Dies alles deutet auf einen Zustand hingegebener, tiefer, sich verströmender Entspannung. Die energetische Wahrheit des Herzens und des Gefühlslebens dominieren noch weitgehend über die Programmatik des Gehirns und des Ego-Verstandes. Letztere sind in dieser Entwicklungsphase noch nicht entwickelt, deswegen sind alle Botschaften von Eltern, die aus ihrem eigene Ego-Verstand entstammen, völlig kontaktlos und Lichtjahre von der seelischen Realität eines Babys entfernt.
Wie die Babys im Alpha-Zustand sind, so sind die Erwachsenen typischerweise im Beta-Zustand. Beta-Wellen sind die Gehirnwellenmuster des reflektierenden, sich in seinen Gedankenströmen ordnenden Mind, des kontrollierenden Verstandes und des zwanghaften Denkens. Dies ist ein Zustand, der dem Baby von seiner Natur her fremd ist. Ein Baby ist völlig eins mit seinem Sein und seiner bio-energetischen Wahrheit. Das Herz als Quelle jeder liebenden Verbindung und Bindung strebt nach der liebevollen Verschmelzung mit der Lebensumwelt, welche in dieser Lebensphase die Mutter repräsentiert.
Beide Polaritäten, das nach Verbindung strebende, liebende Herz und der nach Kontrolle, Ordnung und der Macht der Vorstellung strebende Ego-Verstand treten allerdings in unserer gehirndominierten Kultur in Konflikt. Dies ist der eigentliche Urkonflikt, die Quelle von Fallangst, Lebensangst und Selbstentfremdung.
(Fortsetzung folgt)