Mittwoch, 13. Juli 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (99): Energetischer Rückzug und das Energiefeld des Körpers

Wir verstehen nun, dass „Banana“-Haltung bzw. „hysterischer Bogen“ eine umfassende Abwehr gegen eine lustvolle Hingabe darstellen, eine Alarmierung des Körpers in absoluter Zurückhaltung, Verkrampfung und Rückzug von der Welt.

Diese richten sich nicht nur gegen die Hingabe und das Loslassen des eigenen Körper und der eigenen Seele, sondern auch gegenüber jedwedem Kontakt zur Außenwelt und zu anderen Menschen. Es ist ein regressiver energetischer Rückzug vom Kontakt mit der Außenwelt in einem totalen Erstarrungskrampf.

Das Schreibaby ist in diesem Zustand vollständig aus dem Kontakt mit der Mutter und seiner Umwelt getreten, von der „großen Hysterie“ dürfte ähnliches zu vermuten sein. Allein die Tatsache, dass diese Hysterikerinnen von Charcot einem ärztlichen Publikum vorgeführt werden konnten, ohne dabei irgendwelche sozialen Reaktionsmuster wie z. B. Scham zu zeigen, spricht für eine weitgehende Isolation von der äußeren Welt.

Wie kommt es nun zu derartigen Reaktionsmustern und wieso betrachten wir sie in Zusammenhang mit dem Phänomen der Fallangst?

Zur Fallangst selbst existieren nur wenige Hinweise in der Literatur. Reich, der diese als grundlegendes Symptom einer Störung des Lebendigen ansah, verstand die Fallangst als Urform der Orgasmusangst, der orgastischen Impotenz und von Angst überhaupt. Reichs rudimentäre Fallgeschichte „Armoring in a newborn infant“ gilt als Standardwerk in Reichs später Theoriebildung zur Angstentstehung im Säuglingsalter und schlägt eine theoretische Brücke zwischen Fallangst und Somatisierung beim Säugling. Für Reich bildet die Fallangst im Säuglingsalter die Urform und die Basis jeder neurotischen Angstbildung.

Um zu einem tieferen Verständnis dieses Phänomens zu kommen, ist es hilfreich, sich den Säugling energetisch zu vergegenwärtigen. Seine Körpergrenzen sind weich und fließend, seine energetische Präsenz von starker Anziehung. Bei allen Babys und Jungtieren ist das Phänomen zu beobachten, dass sich andere Menschen wie magnetisch zu ihnen hingezogen fühlen. Normalerweise wird dies mit dem sog. „Kindchenschema“ erklärt.

Wenn wir jedoch die Vorstellung eines den Körper umgebenden Energiefeldes, einer Aura oder energetischen Ausstrahlung zur Hilfe nehmen, können wir zu dem Schluss kommen, dass gesunde Babys und Jungtiere ein starkes, magnetisches Energiefeld besitzen, in dem sich die Lebendigkeit von Körper und Seele in einem einheitlichen Schwingungszustand sich befinden. Man könnte auch von einem Zustand eines energetischen Einsseins sprechen, in dem die Differenzierung zwischen einem abgegrenzten Körper-Ich und der unmittelbaren Lebensumwelt noch nicht existiert. Die Psychoanalyse beschrieb dies früher als „symbiotische Phase“, die Säuglingsforschung zieht den Terminus „Verschmelzungserfahrung“ in diesem Zusammenhang vor.

(Fortsetzung folgt)