Samstag, 27. August 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (109): Die haltende Haltung

Foto: vkd


Führen wir nun einige Fäden zusammen, die in den letzten Abschnitten erörtert wurden: Die instinktiv-biologischen Erwartungen, insbesondere das frühkindliche Bedürfnis nach Halt, Geborgenheit und liebevollem Kontakt, bleiben, unabhängig von realen Erfahrungen, ein -- meist verborgener -- Selbstanteil, der ein Leben lang bleibt. Sie bleiben die Grundlage instinktiven Verhaltens des Erwachsenen gegenüber seinen Kindern, aber auch die Grundlage jedweder seelisch-psychischer und seelisch-spiritueller Transformation.

Die instinktiv-biologischen Erwartungen manifestieren sich, wie wir gesehen haben, gleichzeitig in der inneren Vorstellung einer „guten Mutter“ oder eines „guten Vaters“, welche in der seinsorientierten Körpertherapie ebenso mobilisiert wird und allgemein eine Grundlage positiver Übertragungen repräsentiert.

In der Körpertherapie kann dieser verborgene Selbstanteil zum Leben erweckt werden, indem der Klient darin aktiv unterstützt wird, die für ihn stimmige und wahre Berührung in sich abzurufen. In diesem Zusammenhang ist die Erfahrung des „richtigen“ Halts und Gehaltenwerdens von entscheidender Bedeutung. Eine haltende Berührung ist nämlich keine technische Intervention des Machens und Veränderns, sondern eine des Seins und der kontaktvollen Präsenz. Halt verstehen wir nicht nur als eine körpertherapeutische Herangehensweise, sondern als eine ganzheitliche, seelisch-energetische Kontaktqualität (siehe hierzu unsere Ausführungen 74 ff.). Nennen wir es die „haltenden Haltung“.

Wie lässt sich diese „haltende Haltung“ des Therapeuten bzw. der Therapeutin beschreiben? Beginnen wir beim Offensichtlichen. Dazu sind einige Stichworte sind bereits gefallen. Wir können von Begleitung sprechen, von „Bejahung des So-Seins“, also von einer Grundhaltung, die bestimmt ist von unmittelbarer, liebevoller Akzeptanz dessen, was ist – und eben nicht durch ungeduldigen und ruhelosen Aktivitäts- und Arbeitsdrang zur Herstellung dessen, was (noch) nicht ist – und möglicherweise nie sein wird.

Liebevolle, bejahende Akzeptanz, Halt und haltende Haltung werden naheliegender Weise besonders dort angebracht sein, wo sich im Verlaufe des Prozesses Situationen oder Phasen zeigen, in denen der Klient „schwierig“ wird, nicht mehr das pflegeleichte, brave Kind, sondern das rebellische, aggressive oder stoisch am Symptom festhaltende, also negative Übertragungsanteile an die Oberfläche dringen.

Dies sind entscheidende Phasen, in denen sich zeigt, ob Halt wahrhaftig, fühlbar vorhanden ist oder nur eine hohle Phrase, die verstummt, sobald der Donner grollt.

(Fortsetzung folgt)