Donnerstag, 13. Juli 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERERFAHRUNG (184): Körpertherapeutische Erfahrungsdimensionen der Abschlussphase

Foto: vkd
 Die Endphase stellt sich als Phase der Herzöffnung dar. Das Kernselbst, die liebende Natur der Persönlichkeit, die in der Regel verzerrt in der Selbstwahrnehmung gespiegelt ist, klärt sich. Das Wasser des Bewusstseins, zuvor getrübt durch die Identifizierungen mit demLeid der Vergangenheit, klart sich auf.

Dieser Klärungsprozess beinhaltet im Grunde die Wiedergeburt der authentischen Stimme des Herzens. Die Wahrheit des Herzens bleibt nicht länger eine sentimentale Marginale des Seelenlebens. Sie entwickelt sich zur gefühlten Heimat. Eine solcher Prozess geht einher mit dem Gefühl inneren Friedens, ja, dieser Status inwendigen Friedens und der Friedfertigkeit erweisen sich als Gradmesser für den Stand der Transformation. Was als innerseelischer Bürgerkrieg und Heimatlosigkeit auf dem Schlachtfeld der Seele begann, endet idealerweise in einem Zustand tief empfundenen Friedens und seelischer Heimat.

Auf der energetischen Ebene entspricht dem die Reorganisierung der »basalen Energieströme« zwischen Herz und Augen, Herz und oralem Segment, Herz und Bauch und Herz und Becken.

Bei den »basalen Energieströme« handelt es sich um jene energetischen Phänomene, die mit dem Kontakt zu anderen Menschen in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Wie frei oder gehemmt/blockiert ist der jeweilige Energiestrom? Der Energiestrom Herz-Augen ermöglicht den Ausdruck von Authentizität, Präsenz, Empathie und allen anderen Qualitäten »emotionaler Kompetenz«. Der Energiestrom Herz-Mund betrifft alles, was mit der Präsenz des gesprochenen Wortes, aber auch mit der Stimme im allgemeinen zu tun hat. Der Energiestrom Herz-Bauch beschreibt die Balance zwischen Empfindung, Gefühl und Emotion. Der Energiestrom Herz-Becken beschreibt die Verbindung von Herzgefühlen zur Sexualität.

Eine ebenso profane wie fundmentale Körpererfahrung ist der »durchgängige Herzhalt«, den ich hier exemplarisch vorstellen möchte. Profan deshalb, weil er im Grunde nichts anderes darstellt als eine Umarmung im direkten Brust-Brust-Kontakt zwischen Klient und Therapeut. Eine Umarmung, die jedoch einige Besonderheiten aufweist:
  • Es gibt keine Zeitbegrenzung für diesen Kontakt; d. h. sie kann ggf. eine halbe Stunde oder länger andauern.
  • Phasen der Umarmung im Augenkontakt wechseln organisch mit Phasen ohne Augenkontakt.
  • Der Selbstkontakt des Therapeuten und seines Klienten ist auf das eigene Herz und seine Reaktionen auf die Herzverbindung gerichtet.
  • Alles, was wahrgenommen wird, liefert Hinweise auf noch vorhandene Blockaden und damit verbundene Ängste und Phantasien, die anschließend thematisiert werden.
(Fortsetzung folgt)