Montag, 23. Mai 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (93): Mütterlicher Halt


Sabine Grzimek: Mutter und Kind, Heilbronn, CC

Die Erfahrungen des Haltens und des Gehaltenwerdens sind für den nährenden Austausch von Herzcode-Informationen zwischen Mutter und Kind grundlegend. „Gehaltenwerden“ umfasst demnach mehr als den rein körperlichen Vorgang. In diesen Halterfahrungen finden wir die   oben erörterten bestimmenden Faktoren des Transformationsprozesses wieder:

  die gemeinsame energetische Einstimmung („Frequenz“ der Herzcode-Information –HCI-)
  das Berühren in Zuwendung („Objektausrichtung“ der HCI)
 den Gefühlsanklang, energetische Herzcode-Information („Information“ der HCI)

Hautkontakt, Augenkontakt, Herzcode-Information (HCI) und Halt sind die zentralen Elemente des frühen Körperkontakts, in diesem Fall des liebevollen Mutter-Kind-Kontakts oder Mutter-Kind-Bindung.

Wobei an dieser Stelle anzumerken wäre, dass die Definition „mütterlich“ nicht gleichbedeutend ist mit „weiblich“. „Mütterlich“ können genauso Männer oder ältere Kinder sein, wesentlich ist, dass diese die Qualitäten und Ressourcen von Mütterlichkeit in sich anklingen lassen und zum Ausdruck bringen.

Allerdings gibt es neben dem „mütterlichen Halt“ auch das Pendent eines „väterlichen Halts“ und auch hier gilt, dass diese Qualität nicht von vornherein geschlechtsgebunden ist. Doch zunächst zum
mütterlichen Halt. Dieser lässt sich wie folgt beschreiben:

  die Fähigkeit zu körperlicher und bio-emotionaler Nähe bis hin zu punktuellen Verschmelzungserfahrungen mit dem Säugling, z. B. gemeinsame Trancezustände nach dem Stillen.
  die Fähigkeit zu umfänglicher körperlicher und emotionaler Empathie („affect attunement“ [Stern 1998]), Einstimmung, Empfänglichkeit für bio-energetische Signale, die vom Säugling ausgehen.
– Physiologisch ist die Vorderseite des Körpers prägend für den mütterlichen Halt, indem sich in einer Umarmung z. B. Herz und Herz, Bauch und Bauch annähern oder berühren.

Die Vorderseite des Körpers repräsentiert im Gegensatz zur Rückseite die weichen, d. h. verletzlicheren und empfindsam-rezeptiven Aspekte des menschlichen Körpers. Die Umarmung selbst stellt dabei eine körperliche Intimitätserfahrung dar, die mit dem Gefühl von liebevoller Verbindung und Geborgenheit einhergeht.

Zwischen liebenden Erwachsenen bewegt sich in der Umarmung der energetische Strom der Liebe von Herz zu Herz und vom Herzen zu den Händen hin und verbindet sich auf der Rückseite des Körpers in Herzhöhe. In der Mütter-Kind-Dyade findet sich die Urform jeder Umarmung, wenn die Mutter ihr Kind in den Armen hält und an ihre Brust, zu ihrem Herzen führt.

(Fortsetzung folgt)