Montag, 6. Juni 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (94): Väterlicher Halt

Nachdem wir die Eigenschaften des „mütterlichen Halts“ skizziert haben, wenden wir uns nun denen des „väterlichen Halt“ zu. Wie die Vorderseite des Körpers energetisch dem mütterlichen Haltt zugeordnet werden kann, so verhält es sich mit der Rückseite des Körpers als Zentrum des „väterlichen Halts“, des Rückhalts.

Für den mütterlichen Halt stehen die Aspekte seelischer Intimität, Bindung und Geborgenheit, also der inneren Welt des Kindes und seiner Selbst-Vergewisserung im Vordergrund. Die Qualität väterlichen Halts charakterisieren Ermutigung, der Rückhalt und Unterstützung der Autonomiebestrebungen des Kindes, seine Hinwendung zur sozialen Realität und seine Selbst-Vergewisserung in äußeren Welt.

Es sind in der Regel die Väter, die ihren Kindern Fertigkeiten wie das Schwimmen oder das Fahrradfahren beibringen. Väterlicher Halt bedeutet hier, auch nach dem Scheitern liebevoll zu trösten und zu ermutigen, bis die entsprechenden Lernprozesse abgeschlossen sind. Wenn das Kind Angst hat oder mit dem Fahrrad stürzt und sich weh tut, so nimmt der haltgebende Vater das Kind auf den Arm und tröstet es, ermutigt es aber immer wieder, den Lernprozess fortzusetzen und sich von neuem auf das Fahrrad zu setzen.

Väterlicher Halt unterstützt die Freude an der Autonomie des Kindes aus seinem Herzen und teilt sie mit. Väterlicher Halt fördert die Freude am Lernen und an der Entwicklung von Fertigkeiten in der Lebensumwelt. Väterlicher Halt wirkt unterstützend, aber nicht unkritisch, wo es notwendig erscheint. Väterlicher Halt vermittelt ein realitätsgerechtes Feedback von den Anforderungen der Lebensumwelt, seiner sozialen Regeln und Forderungen.

Väterlicher Halt bedeutet darüber hinaus, die Klarheit und Stabilität, die es dem Kind erlauben, seinen eigenen, realistischen Grenzen und Begrenzungen zu verinnerlichen, insbesondere, wenn es um den Umgang mit Konflikten geht. Der Vater gibt Halt, indem er als Instanz von „Reibungserfahrungen“ emotional-authentisch auf der Beziehungsebene zur Verfügung steht, d. h. ohne die Beziehungsdimension jedes Konfliktes autoritär auf der Machtebene abzuwehren oder sich der Beziehungsebene generell zu entziehen.

Auch hier, auf der Beziehungsebene des väterlichen Haltesystems sind die Subsysteme Zuwendung, Gefühlsanklang und Einstimmung als Basis für die Übertragung von Herzcode-Informationen essentiell.

Körperlich-energetisch entspricht, wie gesagt, insbesondere die Rückseite des Körpers dem väterlichen Halt (Rückhalt). Dazu gehört die Unterstützung des Rückens in Herzhöhe und im unteren Rücken (Rücken-Herz, Rücken-Bauch). Hier finden sich die zentralen energetischen Zentren in der körpertherapeutischen Anwendung väterlichen Halts, die uns im Folgenden beschäftigen werden.

Fassen wir die Eigenschaften des väterlichen Halts zusammen:

  • Unterstützung der autonomen Bewegungen und Strebungen in Grenzen („kritische Unterstützung“);
  • Ausprobieren und Austarieren von Grenzen und Strukturen („Reibungserfahrungen“);
  • Bio-emotionaler Kontakt über die Rückseite des Körpers (Rücken-Herz, Rücken-Bauch etc.)

 (Fortsetzung folgt)