Mittwoch, 8. Juni 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (95): Wie sich ein Mangel an Halt in Körper und Seele zeigt ...


Die Grundzüge des mütterlichen und väterlichen Halts haben Konsequenzen für die Körpertherapie.
Da sind zunächst einmal die diagnostischen Schlussfolgerungen, sowohl im Seelischen als auch im Körperlichen Sein des Menschen. Haltdefizite, d. h. unvollständige Erfahrungen von mütterlichem und väterlichem Halt, zeigen sich direkt in der Persönlichkeit, ihren Charakter- und Verhaltensmustern.

Bei allen Themen, die mit emotionaler Bindung, mit Fähigkeiten von Empathie, mit der Liebesfähigkeit im allgemeinen zu tun haben, sind die mütterlichen Halterfahrungen prägend. Defizitäre Erfahrungen von mütterlichem Halt charakterisieren jene sog. „frühen Störungen“ und Bindungsstörungen, denen wir begegnen.

Überall dort, wo sich ein Mangel an Lebensmut, Autonomie, Selbstmanagement und sozialer Kompetenz in auffälliger Weise präsentiert, lässt dies entsprechend auf eine defizitäre Halterfahrung durch den Vater schließen. Solche Persönlichkeiten schwanken eher durch das Leben, zeichnen sich durch ein auffälliges Maß an Unentschlossenheit aus, trauen sich nur wenig zu. In der Regel wird man hier entweder abwesende oder repressive Väter finden, die die Kompetenz ihres Kindes durchgängig abwerten oder völlig unkritisch idealisieren (beides sind 2 Seiten der gleichen Medaille).

Auch im energetisch-körperlichen Bereich lassen sich leicht die Entsprechungen von defizitären mütterlichen oder väterlichen Halterfahrungen finden. Überall dort, wo der Körperpanzer besonders deutlich ausgeprägt ist, deutet dies auf entsprechende Prägungen hin. Denn der Körperpanzer, die energetische Erstarrung und die muskuläre Rigidisierung bestimmter Körperbereiche, ist nichts anderes als der Selbsthalt, den sich der kindliche Organismus gibt, und zwar in Ermangelung realer Halterfahrungen durch seine Lebensumwelt.

Könnte es nicht sein, dass die fast endemisch verbreiteten Rückenprobleme unserer Zeit ihre Wurzeln in unzureichender väterlicher Halterfahrung haben? Kann es nicht sein, dass ein junger Organismus, der die liebevolle Unterstützung seiner Autonomiebestrebungen durch den RÜCKhalt seines Vaters nie erfahren hat, sich diesen selbst verschafft, indem er sich z. B. einen Schildkrötenpanzer im Rücken zulegt? Das Phänomen einer vaterlosen Gesellschaft, bzw. einer Gesellschaft der abwesenden Väter und das Phänomen einer am Rücken leidenden Gesellschaft, dies sind in meinen Augen Koinzidenzen, die Aufmerksamkeit verdienen.

Ein ähnliches Beispiel wären Herzerkrankungen, die ebenso endemisch verbreitet sind. Könnten diese nicht ihre energetischen Wurzeln im Mangel an liebevoller mütterlicher Halterfahrung haben? Wenn das liebende Herz, die liebende Brust eines Kindes keine angemessene Antwort einer Geborgenheit in Liebe erfährt, ist es da nicht naheliegend, dass sich sein Herz verkrampft, die Brust panzert und seine Arme und Hände irgendwann aufgeben, nach der Liebe auszugreifen?

Ich spreche hier ausdrücklich von energetischen Dispositionen, d. h. dass die Lebendigkeit und Pulsationsfähigkeiten zunächst, meist über Jahre und Jahrzehnte, in bestimmten Körperregionen, Wilhelm Reich nannte sie Segmente, asiatische Traditionen sprechen von den Chakren, eingeschränkt werden, bevor sich ein somatisches Symptom entwickelt.

(Fortsetzung folgt)