Sonntag, 1. Januar 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (141): Geburtstraumata und was John und Yoko damit zu tun haben

foto: pixabay
Auch im perinatalen Umfeld kann durch Geburt und Geburtspraktiken, durch chirurgische oder medikamentöse Eingriffe, durch anhaltende Trennung von Mutter und Kind, der eingespielte Mutter-Kind-Rhythmus beeinflusst werden und verändert bleiben.

Dass eine Geburt überhaupt traumatisch sein kann, diese Erkenntnis ist noch nicht einmal 100 Jahre alt. Es war der Freud-Schüler Otto Rank (1884–1939), der 1924 mit seinem Buch "Das Trauma der Geburt und seine Bedeutung für die Psychoanalyse" als Erster auf die potentiell traumatisierende Eigenschaft der Geburten hingewiesen hat, damals nicht unumstritten.

Lange blieb die Auseinandersetzung mit den psychischen Prägungen der pränatalen Entwicklung und der Geburt ein Nischenthema, auch innerhalb der Tiefenpsychologie, ein Thema, das nur von wenigen Pionieren wie Donald W. Winnicott, Francis John Mott, Frank Lake und Gustav Graber weiterhin erforscht wurde. Graber gründete 1971 die bis heute aktive Internationale "Studiengemeinschaft für pränatale Psychologie" in Wien.

Einen deutlichen Aufschwung erfuhr die Pränatalpsychologie dann im Rahmen der Human Potential Bewegung und der Popularisierung der Körpertherapien Ende der 60er Jahre. Insbesondere Arthur Janov mit der Primärtherapie, Stanislav Grof mit seinem Holotropen Atmen und Leonard Orr mit seinem Rebirthing machten das Trauma der Geburt und die vorausgehende pränatale Entwicklung einem breiteren Publikum bekannt.

Eine besondere Rolle kam dabei den Pop-Idolen John Lennon und Yoko Ono zu, die als Klienten und Anhänger von Arthur Janov in ihren Songs nicht nur die Primärtherapie damals populär machten, sondern auch die Geburt selbst als traumatisches Erlebnis künstlerisch verarbeiteten.

(Fortsetzung folgt)