Freitag, 14. April 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (165): Der Mythos von der Schmerzunempfindlichkeit des Neugeborenen

foto: pixabay
Wir sollten unser Bild über die vorgeburtliche Lebensphase und ebenso über das Baby revidieren. Der Mensch in den ersten Schritten seiner Entwicklung dürfte um Lichtjahre empfindsamer, feinstofflicher und zartfühlender sein, als diese Kultur es erahnt. Diese Aussage gilt nicht nur auf der rein physiologischen Ebene, sondern vor allem auf der energetisch-feinstofflichen.

Zunächst ein Beispiel aus dem Bereich der Physiologie: Bis in die 80er Jahre ging man in der Schulmedizin davon aus, dass Früh- und Neugeborene über eine herabgesetzte Schmerzempfindlichkeit verfügen. Deshalb war es bis zu diesem Zeitpunkt üblich, Säuglinge ohne jede Betäubung zu operieren.

Spätere Studien Ende der 80er Jahre korrigierten diese Auffassung dahingehend, dass man die Schmerzempfindlichkeit von Kleinstkindern gleichsetzte mit derjenigen von Erwachsenen. Moderne Studien deuten darauf hin, dass diese bei Früh- und Neugeborenen sogar höher ist als die von Erwachsenen. Ja, sie wird heute als Weichenstellung für die pathologischen Schmerzmuster des Erwachsenenalters angesehen.

Hier wird u. a. deutlich:

•    Einerseits stellt es keinen Einzelfall dar, dass die Medizin innerhalb von 30 Jahren exakt das Gegenteil dessen vertritt, was sie vorher als »wissenschaftliche« Tatsache verkündete.
•    Andererseits zeigt dieses Beispiel, wie die Aneignung von Wirklichkeit, auch in der Wissenschaft, oftmals erfolgt: über die Analyse und Kategorisierungen des Gehirns.
•    Daraus ergeben sich Fragen: Wie sieht ein Mediziner mit seinem dezidierten Wissen über Physiologie? Was nimmt er wahr? Was nicht?

In der Regel sieht der medizinische Forscher die Welt innerhalb des Terrains des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses. Empirie her, Empirie hin, der Betrachter selbst ist auch Teil derselben, wie es zumindest die Quantenphysik inzwischen erkannt hat. Die Welt ist, zu Ende gedacht, durchaus auch eine Konstruktion aus Weltbildern, die im Auge des Betrachters liegen.

Zurück zu unserem Beispiel: Würde der Forscher das Kleinstkind mit seinen intuitiven seelischen Ressourcen statt mit seinem analytischen Verstand wahr nehmen, könnte er eines unschwer erkennen: Dass das Zusammenziehen der Augenbrauen, die zusammengepressten Lider, das Verkrampfen der Muskulatur des ganzen kleinen Körpers, das zitternde Kinn und schließlich das laute Weinen des Neugeborenen einen deutlichen, klaren und unmissverständlichen Ausdruck von Schmerz darstellen.

Jenseits aller physiologischen Lehrbücher über das unterentwickelte Nervensystem bei Säuglingen: Es ist das Herz des Menschen, das die Wahrheit eindeutig erkannt hätte.

(Fortsetzung folgt)