Samstag, 13. Mai 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (172): Pränatale Halterfahrung und Berührung

Foto: pixabay
 Wie bereits mehrfach erwähnt, bildet für den Fötus die Gebärmutterwand die prägende Ur-Erfahrung von Halt und Gehaltensein. Im nächtlichen Schlaf regredieren die meisten Menschen zurück in die Ur-Erfahrung des Halts, indem sie in der sog. Embryohaltung schlafen.

Die Halterfahrung in der Gebärmutter unterscheidet sich von einer mechanischen Halterfahrung (z. B. derjenigen der Rückenlehne eines Stuhls) dadurch, dass sie, eine positive Haltung zur Schwangerschaft vorausgesetzt, in mehrfacher Hinsicht lebendig ist: Sie ist warm, beweglich, pulsiert und reagiert intuitiv-liebevoll auf fötale Impulse.

Die vitalen Qualitäten Gebärmutter können jedoch eingeschränkt sein. Dies geschieht dort, wo eine negative Grundeinstellung zur Schwangerschaft besteht. Das kann eine Verleugnung oder starke Ablehnung der Schwangerschaft selbst sein. Solche Grundhaltungen führen dazu, dass die Gebärmutter emotional erstarrt, kalt, gefühllos und unbeweglich wird. Ein Lebensraum, der gekennzeichnet ist durch eine unzureichende Halterfahrung, also eingeschränkte Einstimmung, Zuwendung und Gefühlsanklang.

Der körpertherapeutische Ansatz besteht naheliegenderweise darin, die lebendige Gebärmutterqualität symbolisch und energetisch nachzubilden. Dies wird erfahrbar in der Art und Weise, wie wir den Rücken des Klienten mit unseren Händen berühren, während dieser in embryonaler Haltung seitlich auf der Matratze liegt. Die berührenden Hände sind dabei warm, beweglich, sie pulsieren und reagieren. Der Energiefluss zwischen dem Herzen und den Händen des Therapeuten ist geöffnet, so dass der Fluss der Liebe aus dem Herzen in die Hände fließt. Sie »atmen« Herzenergie.

Wir beginnen damit, dass die linke, dem Kopf nähere Hand (»Kopfhand«) den Bereich des Nackens, die den Füßen benachbarte Hand (»Fußhand«) das Becken in Steißbandhöhe abdeckt. Beide Hände verharren dort und treten in »dialogische Berührung« (siehe S. 345). Nach einigen Minuten gehen beide Hände ein Stück weiter, Schritt für Schritt, bis sie sich in der Mitte des Rückens, etwa im Zwerchfellsegment, treffen. Dieser Abschnitt, von den Polaritäten Nacken und Becken ausgehend bis zu der Vereinigung im Zwerchfellbereich sollte mindestens 12–15 Minuten andauern.

Anschließend geht es in die andere Richtung zurück, um den Zyklus zu vervollständigen. Ein solcher Zyklus sollte mehrmals wiederholt werden.

Es ist zu erwarten, dass der Klient während dessen in einen tranceartigen Zustand gleitet. Dies ist durchaus erwünscht, denn es ist ein Zeichen dafür, dass sich auf einer subtilen energetischen Ebene die Energieströme reorganisieren. Im Grunde bildet sich hier die Situation ab, den der Fötus im Mutterleib erfahren hat. Es handelt sich bei diesen tranceartigen Zuständen um tiefe Regressionen, die allerdings körpertherapeutisch wenig spektakulär sind, weil sie sich tief in Inneren abspielen.

(Fortsetzung folgt)