Mittwoch, 1. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (154): Vom inneren Polizisten zur tragenden Beziehung

Foto: vkd
Als »inneren Polizisten« definiere ich jenen Teil des narzisstischen Egos, der misstrauisch die lebendigen Prozesse der eigenen Körperseele und diejenigen seiner unmittelbaren Lebensumwelt betrachtet. Seine Existenzberechtigung leitet er aus der Berufung ab, alles zur Kenntnis zu nehmen und zu kontrollieren.

Im Transformationsprozess des Klienten benötigt er eine angemessene Zuwendung und Aufmerksamkeit, bis er dazu bereit ist, ein Stück dieser Kontrollsucht aufzugeben. Das energetische Zentrum des inneren Polizisten findet sich in jenem Dreieck zwischen den Augenbrauen und der Stirn, der als Sitz der Zirbeldrüse oder des 3. Auges bekannt ist. In dem Maße, in dem der innere Polizist die Kontrolle über die bio-emotionalen Vorgänge in der Körperseele aufzugeben bereit ist, öffnet sich das Energiezentrum des 3. Auges und dessen intuitiven Potentiale können sich entfalten.

Der innere Polizist betrachtet alle Vorgänge mit Skepsis und Misstrauen. Dies betrifft vor allem diejenigen, die mit Hingabe und tiefer Emotionalität, insbesondere der des Herzens, sowie mit Lustgefühlen und Sexualität zu tun haben. Im Grunde repräsentiert der innere Polizist all jene frühkindlichen Erfahrungen, in denen das Kind lernen musste, seine bio-emotionale Wahrheit zugunsten der Anforderungen seiner Lebensumwelt zu verleugnen.

Insbesondere frühe Mangelerfahrungen von Bindung und Halt schufen die Notwendigkeit dieser Anpassung der Persönlichkeitsstruktur an die Anforderungen der Außenwelt, wobei es zu einer positiven oder negativen Identifikation mit ihren Werten kommt. Er repräsentiert eine wesentliche Funktion des »Selbsthalts«, über den wir an anderer Stelle bereits gesprochen haben (Mütterlicher Halt, Selbsthalt und pränatale Prägung).

Dieser Anpassungsprozess kann soweit gehen, dass die eigene Ich-Identität nur über diese verinnerlichten Identifizierungen definiert wird und die innerseelische Landschaft eine menschenleere Wüste darstellt. In der Fachterminologie spricht man in diesem Kontext von »frühen Störungen«.

Bindung und Halt bilden daher die Essenz der Praxis der seinsorientierten Körpertherapie. Wir gehen davon aus, dass Defizite von Bindung und Halt innerhalb der frühkindlichen Entwicklung als ein nicht-geschlossener Kreis im Unbewussten der erwachsenen Persönlichkeit weiterhin existieren. Sie manifestieren sich in konkreten Charakter-, Körper- und Verhaltensmustern (»Charakterpanzer«), suchen ein Leben lang Antwort, doch scheitern an den Abwehrbastionen der erstarrten Persönlichkeitsstruktur.

(Fortsetzung folgt)