Samstag, 18. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (157): Der Faktor Zeit in der Berührung

foto: vkd
Neben der Dualität von Halt und Information spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Genügend Zeit zu haben ist in unserer Kultur eine seltene, aber umso heilsamere Voraussetzung, um sich neuen Erfahrungen, insbesondere auf der Seinsebene, zu öffnen. Der Weg aus der kulturellen Arrhythmie des Dauer-Gehetztseins zur organismischen Wahrheit eines natürlichen biologischen Rhythmus bedarf des Einfallstors der Zeitlosigkeit.

Das bedeutet, übertragen auf das körpertherapeutische Setting, dass es durchaus angebracht sein kann, eine Berührung über 30 Minuten und länger an einer bestimmten Stelle aufrecht zu erhalten, um die Desorganisation des »versteinerten Selbst-Halts« zu ermöglichen. Ein Körperkontakt, der über derartig lange Zeitspanne bestehen »bleibt«, vermittelt eine völlig andere Botschaft als eine kurze Berührung, die gleich in die nächste übergeht. Eine »bleibende« Berührung erreicht und kontaktiert innere Seinsgefühle und Seinszustände bedeutend leichter als dies bei anderen Arten von Verbindung der Fall ist.

Ein solches »Da-Bleiben« und »Da-sein« kontaktiert das Dasein als solches. Es vermittelt jenen Halt des Seins, der im Gehaltensein mündet.

Desorganisierung des »versteinerten Selbst-Halts« in unterschiedlichen Körpersegmenten bildet die Voraussetzung für eine Reorganisierung der Energieströme im Körper auf der feinstofflichen Ebene, die sich aus den revitalisierten Herzcode-Informationen speist. Diese Resultate sind zwar nur indirekt erfahrbar, aber deutlich. Typisch ist ein grundlegend verändertes Selbst- und Körpergefühl, das im Anschluss an die Tiefentrance spürbar wird.

Diese Reorganisierung des feinstofflichen Energiesystems stellt sich also als ein Zusammenspiel von Halt- und Bindungserfahrungen mit dem Austausch von Herzcode-Informationen dar. Wie wir gezeigt haben, ermöglicht die seinsorientierte Halterfahrung dem Organismus, das eigene Haltesystem (den »versteinerten Selbsthalt«, die muskuläre und energetische «Panzerung«) sukzessive loszulassen. Das Zellgedächtnis des Organismus enthält offenbar genaue Vorstellungsinhalte darüber, wie sich Halt anfühlen sollte.

Deshalb ist es in der Anwendung seinsorientierten Körpertherapie von großer Bedeutung, diese innere Vorstellung des »richtigen« Halts, der »richtigen« Berührung im Klienten abzurufen. Das geschieht durch genaues Nachfragen und durch das »Try-and-error«-Prinzip. Es kann durchaus sein, dass diese Abfrage eine längere Zeit beansprucht, gerade dann, wenn der Klient über keine Erfahrungen auf dem körpertherapeutischen Gebiet verfügt.

Subjektiv geht dieser Prozess einher mit der allmählich wachsenden Erfahrung innerer Ruhe und innerer Versöhnung. Das Schließen dieses Kreises auf zellulärer Ebene führt auf diesem Hintergrund zu Verlebendigung und Erleichterung.

Diese Erfahrung des Seins-Halts ermöglichen es Leib und Seele, neue Positionen im und Perspektiven zum Leben zu entwickeln.

(Fortsetzung folgt)