Mittwoch, 22. März 2017

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (158): Mütterliche und väterliche Elemente in der Körpertherapie


Foto: vkd

Werfen wir einen Blick auf den Gesamtprozess der Transformation der seinsorientierten Körpertherapie. Hier wird sichtbar, dass frühkindliche und kindliche Bedürfnisse reaktualisiert und auf einer energetischen und symbolischen Ebene realisiert werden. Diese Bedürfnisse betreffen den mütterlichen und väterlichen Bindungs-Halt, und zwar als eine empirische, energetische und symbolische Erfahrung und deren kognitive Integration.

Der körpertherapeutische Ansatz ermöglicht, Halt und haltende Berührung als wahrhaftige Erfahrungen zu integrieren, die symbolische Dimension erschließt sich durch die Übertragungs- und Bindungsprozesse und deren Auflösung in der Endphase des Prozesses.

Entsprechend bilden die symbolischen und energetischen Erfahrungen des mütterlichen und des väterlichen Halts nicht nur den Rahmen dieses Prozesses, sondern auch den Inhalt, d. h. das Spektrum typischer Interventions- und Erfahrungsangebote.

Traditionell arbeiten Körpertherapien schon seit jeher mit mütterlichen und väterlichen Elementen. All jene rezeptiven, einfühlenden, sensitiven und intuitiven Berührungen, die in den unterschiedlichen Körpertherapietraditionen verwendet werden, lassen sich dem Spektrum der mütterlichen Elemente zuordnen. Katalytische, invasive, den Körperpanzer direkt attackierende, intentional-technische Berührungen ordne ich dem Spektrum der väterlichen Elemente zu.

Je nach Körpertherapie-Schule finden sich Unterschiede, die dem Geschlecht, der Persönlichkeit und Persönlichkeitsstruktur der Gründer geschuldet sind. Auffällig ist, dass in der Generation der Gründer Frauen eher unterrepräsentiert waren und gerade in der Traditionslinie Reichs eine geringe Rolle spielten.

Die Dominanz der Männer war eklatant. Ausnahmen bildeten Nic Waal und Gerda Boyesen aus Norwegen und Reichs Tochter Eva. Wo man auch hinschaute, die exponierten Schulen in der Körpertherapie wurden von Männern gegründet und geleitet.

Daraus ließe sich die Hypothese ableiten, dass die mütterlichen Elemente in den Körpertherapie-Schulen der ersten Generation eher unterrepräsentiert waren. Andererseits fällt auf, dass bis heute überwiegend Frauen sich von den körpertherapeutischen Ansätzen angezogen fühlen, wirft man einen Blick in die Ausbildungsgruppen und Praxen. Ich möchte das hier nicht vertiefen, das sollte an anderer Stelle geschehen. Ich deute diese widersprüchlichen Tendenzen zunächst als Ausdruck einer gewissen Verwirrung und Unbewusstheit gegenüber den eigenen Wirkkräften von mütterlichen und väterlichen Haltungen und Interventionen.

Um so wertvoller dürfte es sein, diesen nicht nur mit Klarheit zu begegnen, sondern diese auch mit Achtsamkeit und Bewusstheit im Transformationsprozess einzusetzen.

(Fortsetzung folgt)