Sonntag, 3. April 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (82): Gefühlsanklang, ein magischer Tropfen


Zuwendung wird so zu einem wichtigen Werkzeug des Körpertherapeuten, zu seiner Grundhaltung, einer Haltung, die „Grund“ und „Halt“ vermittelt.

In der Zuwendung verbinden sich somit zwei Qualitäten: Die rezeptiv-mütterlichen, welche den Grund, die Basis, den Boden jeder Bindung, sowie die aktiv-väterlichen Aspekte, die den Halt, die Kontinuität und die Freiheit von Bindung vermitteln.

In diesem Augenblick von Zuwendung tritt zudem ein entscheidendes Phänomen, meist intuitiv oder instinktiv, auf: Der Körpertherapeut  lässt für einen winzigen Augenblick, gleichzeitig mit der Berührung, und um in unserem Beispielszenario zu bleiben, das Gefühl von Trauer in sich selbst, im eigenen Organismus, anklingen.

Also jene Sensation,  die er zuvor aus der noch nicht bewussten Schicht der Persönlichkeit des Klienten „intuitiv“ empfangen hat. Der Körpertherapeut hat diese Sensation aus seinem Herzcode, seiner eigenen Seele, abgerufen, in ein Gefühl transformiert, das er in sich selbst anklingen lässt. Ein blitzartiger Vorgang, der vergleichbar wäre mit einem leichten und leisen Anschlag auf ein Instrument, ein Akkord, der längst kein ganzes Musikstück oder Lied darstellt, sondern nur ein winziges Element desselben.

Das ganze Lied, um in dieser Allegorie zu bleiben, wäre dann der vollständige Ausdruck der zurückgehaltenen und abgepanzerten Emotion, die im Organismus des Klienten am Ausdruck gehindert ist.

Dieser Gefühlsanklang, der zunächst im Körpertherapeuten angestoßen wird, überträgt sich als energetische Information aus dem Organismus des Therapeuten in den Organismus des Klienten, als bio-emotionale Information mithilfe der Zuwendung und der Berührung. Dies kann die entscheidende Information sein, die im Organismus des Klienten aus den bisher diffusen und chaotischen Sensationen einen deutlichen Gefühlsimpuls entstehen lässt. Für unser Szenario kann also der Gefühlsanklang von Trauer im Therapeuten dem Gefühlsimpuls von Trauer, der bisher nur unterschwellig im Klienten vorhanden war, zum vegetativen Durchbruch verhelfen.

Es handelt sich also hier um eine Information, welche die unterschiedlichen oder sich gegenseitig blockierenden Empfindungen beeinflusst, wie der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, der in unserem Fall die Sensationen im Klienten zu einem deutlichen Gefühl verbindet.

(Fortsetzung folgt)