Montag, 14. März 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (76): Die Stimme aus der Tiefe der Seele


Das narzisstische Ego des Klienten ist bemüht, seine Integrität zu schützen und die Kontrolle über den Transformationsprozess zu behalten. Das vorhandene, mit Zähnen und Klauen (Widerständen, Abwehrmuster, Agieren etc.) verteidigte Selbstbild, das aus den charaktertypischen Verarbeitung biografischer Erfahrungen resultiert, bildet das Epizentrum dieses Vorgangs.

Auf der anderen Seite motivieren Symptom, Leidensdruck, Sehnsucht nach Befreiung und innerer Freiheit den Klienten dazu, sich dem transformativen Prozess anzuvertrauen und auf Überwindung seiner Symptome zu hoffen. In diesem Zusammenhang spielt die Wahrnehmung der Stimme der inneren Wahrheit, die ich hier als „Stimme des Herzens“ bezeichne, eine entscheidende Rolle. Diese Stimme erklingt aus der Tiefe der Seele, sie mag zwar verschüttet sein, doch in ihr ist der gesunde lebendige Kern beheimatet, der sich hinter den Dramen des Egos verbirgt. Dieser Wesenskern sucht Freiheit, lebendigen Ausdruck und ... Verbindung in Liebe.

Beide Polaritäten sind im Transformationsprozess durchgängig präsent, mal dominiert die eine, mal die andere. Welche dominiert, hängt auch von der Persönlichkeit des Therapeuten ab und seiner Fähigkeit, die Verbindung zur Herzensebene, zum Wesenskern im Klienten zu aufzubauen und damit die Beweglichkeit und Verflüssigung der Widerstände und Abwehrmuster des Klienten zu fördern.

Dies bringt uns zu der Fragestellung, was denn eigentlich umgekehrt die Informationsflüsse sind, die vom Therapeuten hin zum Klienten fließen. Ähnlich gut erforscht und beschrieben wie die Übertragung, sind, wiederum durch die Psychoanalyse und ihre verschiedenen Traditionslinien, jene Phänomene, die unter dem Begriff „Gegenübertragung“ subsummiert werden.

Hier unterscheiden wir Erscheinungsformen der Gegenübertragung, die einerseits unterschiedliche Reaktionsmuster auf die unbewussten seelischen Informationen des Klienten darstellen (z. B. komplementäre und konkordante Gegenübertragung) und jene, welche die unbearbeiteten bzw. unbewussten Übertragungsanteile eines Therapeuten repräsentieren.

Aber welchen Gesetzmäßigkeiten folgen eigentlich solche Übertragungs- und Gegenübertragungs-Informationsflüssen? Oder ist das alles nur zufällig, was sich hier überträgt? Welche Einflüsse sorgen dafür, dass in einem Fall eher die negativen Übertragungen einen Transformationsprozess stagnieren lassen, in dem einen anderen Fall rasche Fortschritte und Persönlichkeitsveränderungen verblüffen?
Eine energetische Betrachtungsweise dieser Phänomene, die ich unter dem Begriff „Einstimmung“ oben eingeführt habe, könnte hier erfrischende Anregungen geben.

(Fortsetzung folgt)