Montag, 28. März 2016

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (79): Intuition in der Körpertherapie


Die Quelle dieser Töne, die sich zwischen Organismen austauschen und im Phänomen der Einstimmung zu einem gemeinsamen Ton verschmelzen können, ist das Herz, der Ton selbst der Herzcode (siehe Teil 18 ff.).

Dieses Phänomen interessiert uns natürlich besonders im Zusammenhang mit dem, was in der körpertherapeutischen Arbeit geschieht. Eine Beobachtung ist, dass Einstimmungsphänomene in allen energetischen Zuständen wirksam werden, unabhängig davon, ob es sich um Zustände höchster energetischer Erregung oder welche tiefster Entspannung handelt. In allen energetischen Stadien tauschen sich organismische Informationen aus.

Stellen wir uns ein konkretes Beispiel vor: In einer Sitzung gewinnt der Therapeut den Eindruck, dass im Klienten ein bestimmtes Gefühl zum Ausdruck drängt, z. B. Trauer. Für den Klienten selbst ist dieses Gefühl allerdings zunächst weder fühlbar, noch ist er in der Lage, es als Emotion auszudrücken, da er charakterlich dieses Gefühl in sich abzuschotten gelernt hat. Die Trauer scheint unter der Oberfläche eingesperrt zu sein, wie ein Fisch, der im See unter einer dicken Schicht von Eis seine Kreise zieht.

Was geschieht nun in einer körpertherapeutischen Sitzung? Das erste Element ist die Übertragung der Information „Trauer“ vom Klienten zum Therapeuten, das zweite die Wahrnehmung dieser Information durch den Therapeuten. Man könnte sagen, der Therapeut antizipiert das Gefühl des Klienten in sich selbst.

Wenn der Therapeut, und das hoffen wir, dieses abgeschottete, aber dennoch dominant unter der Oberfläche wirkende Gefühl der Trauer des Klienten wahrnimmt, wird dieser Vorgang  normalerweise mit dem Label „Intuition“ versehen.

Intuition ist ein der Alltagssprache entstammender Begriff. Er beschreibt ein unmittelbares Wissen, eine unmittelbare Erkenntnis, die jenseits des Wirkungsfeldes des analytischen Verstandes existieren. Intuitive Erkenntnis und intuitives Wissen scheinen eine metaphysische Kategorie zu repräsentieren, nach dem Motto … „hat man oder hat man nicht“. Ein typischer „Irgendwie-Begriff“ – irgendwie funktioniert das, aber was da vor sich geht, lässt sich nicht so genau sagen.

Man könnte bemerken, Intuition ist überall dort, wo der Verstand nicht benötigt wird, um zum Erkennen zu kommen. Leider funktioniert die Intuition nicht in jedem Fall, d. h. man kann auch falsche Intuitionen haben (z. B. als Gegenübertragungsphänomen). Auf diesem Hintergrund lohnt es sich schon, mal einen genaueren Blick auf dieses Phänomen zu werfen und die Frage zu stellen: Was geschieht eigentlich energetisch, wenn in der Körpertherapie eine Intuition die Bühne des Geschehens betritt?

(Fortsetzung folgt)