Montag, 13. Juli 2015

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (14)



In diesem profanen Detail steckt im Kern das Dilemma des modernen Menschen: Er ist weitgehend vom inneren Grund der Seinsebene abgeschnitten und damit von seinen bio-emotionalen Wurzeln. Er definiert sich über und ist bestimmt von der gehirngesteuerten Ebene von Leistung und Arbeit als Quelle einer Selbstakzeptanz, die das Gefäß seiner Sehnsucht niemals zu füllen imstande ist. Wie sagte Freud noch so treffend: „Geld macht nicht glücklich, denn Geld war kein Kinderwunsch.“.

Der moderne Mensch verharrt im Zustand der Selbst-Begrenzung, bezogen auf das innere, nicht auf das äußere Potential. Äußerlich durchaus erfolgreich und reich im doppelten Wortsinne, präsentiert er sich als Bettler in seiner inneren, seelischen Existenz. Unwissend und unwillig in der Suche nach sich selbst, zieht er es vor, seine Identität  in den Symbolen der Warenwelt und des sozialen Prestige finden zu wollen, ohne dadurch jemals seine innere Leere füllen zu können. Er kann sie bestenfalls vorübergehend  betäuben. Im Grunde bleibt er sich selbst zutiefst fremd, ein Fremder im Land seiner eigenen seelischen und körperlichen Existenz. Ein Fremder, der durch die Landschaft irrt, ohne zu wissen, wohin.

Je lärmender der Mensch vor der Begegnung mit der Stille, vor sich und der leise gewordenen Stimme seines Herzens flieht, desto abhängiger wird er von den Stimulantien seiner Umwelt. Es ist in diesem Kontext auffällig, dass gerade die Produktion von Stimulation (Unterhaltungs- und Informationsindustrie) in wachsendem Umfang die Ökonomien der modernen Gesellschaft bestimmt.

Dass der moderne Mensch unter dem Phänomen dessen leidet, das seit Hegel und Marx als „Entfremdung“ beschrieben wurde, ist nicht neu. In dieser Traditionslinie der Entfremdungstheorien werden Diagnose und Therapie gern im Bereich des Gesellschaftlichen gesucht. Wenn wir einmal von Begriffsbestimmungen wie „Neurose“, „psychosomatisches Leiden“ und „Verhaltensstörung“ und anderen pathologischen Definitionen absehen: Was sind eigentlich die Manifestationen der  „Entfremdung“ im Einzelnen? Wie kommt es zu diesen?

(Fortsetzung folgt)