Montag, 6. Juli 2015

SEINSORIENTIERTE KÖRPERTHERAPIE (8)


Die spezifische Beziehung zwischen beiden Feldern definiere ich als Selbstbeziehungsstruktur oder Charakter des Menschen.

Die Dramaturgie dieser Inszenierung will es, dass beide, innerer Erwachsener und inneres Kind, Stimme des Gehirns und Stimme des Herzens, Körper und Verstand, sich offen oder versteckt feindselig aufeinander beziehen, ohne dass es zu einer Lösung kommt.

In diesem Drama gibt es kaum Entspannung, wenig Feuerpausen, keinen Frieden. Der Kampf geht weiter, macht sich an wechselnden und austauschbaren Erfahrungen und Themen fest.

Betrachten wir die beiden o.a. Rollen näher, so fällt ins Auge, dass es sich um ein Beziehungsmodell einer Kommunikationsstörung handelt, die sich ständig reproduziert. Typische Grundmuster dieser Kommunikationsstörung sind:

  •  Der innere Erwachsene, die Stimme des Gehirns, ignoriert, beschämt, verachtet, vernachlässigt, bestraft das innere Kind, die Stimme des Herzens,  und die es repräsentierenden Gefühle, Emotionen, Impulse und Bedürfnisse.
  •  Das innere Kind reagiert mit Rückzug, Angst, Leid, Trotz, Verweigerung etc. auf diese Erfahrung und löst damit Reaktionsmuster, auch wachsenden Druck des inneren Erwachse- nen aus.

Die Polarisierung führt dazu, dass sich die Fronten verhärten, dass Überspitzungen in den Rollen sich entwickeln, Unduldsamkeiten ebenso wie Maßlosigkeiten zunehmen. Beide, inneres Kind und innerer Erwachsener, verhärten sich aufgrund ihres mehr oder weniger offenen „Alleinvertretungsanspruchs“. 

Sie potenzieren ihren Machtkampf und damit die Kluft und ihre Unüberwindlichkeit, verändern also ihren Charakter innerhalb dieses und durch ihr (Beziehungs-) Drama(s). Da dieses auf der Bühne der einen Seele und des einen Körpers in Szene gesetzt wird, befinden sich jene in einem Dauerkonflikt, in einem durchgängigen Alarmzustand: einem innerseelischen Bürgerkriegszustand.

(Fortsetzung folgt)